UNA SEMANA THERMONUCLEAR IN FUENTEMILANOS

Es war mal wieder soweit. Die Hauptsaison der Thermik zu Hause war vorbei, da hiess es für mich: Rein in das Flugzeug und für eine Woche nach Fuentemilanos, in die Thermikoase Spaniens. Es war schon eine etwas ungewisse Anreise, denn ich wusste ja nicht wie das Wetter werden würde. Letztes Jahr um die gleiche Zeit hatte ich nicht so viel Glück.
Aber ich sollte eines besseren belehrt werden: Ein gigantisches Hitzetief waberte schon seit Tagen über Zentralspanien und bescherte uns Segelfliegern die Tage des Herrn (der Mann muss Segelflieger sein, anders ist es nicht zu erklären). An jedem Tag war die Basis bei etwa 4000 MSL, gezeichnet von bildschönen Kumulanten soweit das Auge reicht - nicht zuviel, nicht zuwenig - und Steigwerte, von denen man bei uns zuhause nur träumen kann.
Und so sprangen für mich einige tolle Flüge heraus, darunter auch mein erster 500er (siehe OLC zweite Juliwoche). In einer Woche etwa 1800 Kilometer mit knapp 27 Flugstunden inclusive einen Ruhetag, besser hätt's echt nicht laufen können.

Anflug auf Madrid Barajas.

Wer sich übrigens fragt wohin all unsere EU-Steuern wandern: Aus der Luft sieht man sie in Spanien am Boden liegen. Überall schiessen Trabantenstädte mitten im Nirgendwo oder ganze Stadtviertel wie hier auf dem Bild wie Pilze aus dem Boden. Nagelneue Autobahnen, dreispurig versteht sich, mit kaum Autos darauf, weil die andere dreispurige Autobahn die man eben vor zwei Jahren fertiggestellt hatte gerademal 300 Meter parallel daneben läuft.

Mir hams ja....

Segovia: Eine der schönsten Städte Spaniens. Des Wochenends am Abend bei Livemusik einige Cañas am Plaza Mayor trinken ist mittlerweile Kult geworden.
Mein Discus "MS" mit dem im Charterpreis enthaltenen Audi 100. Ungewöhnlicherweise waren in dieser Woche nicht viele Flieger aus Deutschland da, so dass man nach eigenem Dünken entscheiden konnte ob man seinen Vogel jetzt gleich an den Start fährt oder doch lieber noch einen Kaffee trinken geht.
Zwischen Riaza und Ayllon.
Anders als bei unserem Schachbrettschema passt sich der Weizenanbau hier dem Gelände an und zeigt sich dem Auge aus der Luft als regelrechte Kunstwerke.
Briefing. Jeden Morgen um halb elf Uhr. Antonio (links) erklärt den Temp und die Wetterlage. "Heute wir werden haben un día Atómico!" Nix atómico! "Thermonuclear" ist die ultimative Steigerung!

"Chefe de la pista" Eduardo (rechts) nimmt am Schluss immer die Bestellungen für "the Menu for today" entgegen.

Einige bekannte Gesichter findet man immer. Links im Bild FAI Präsident Wolfgang Weinreich, dann Hermann Hamm neben Gisela Weinreich, etwas weiter im Hintergrund Karl Senne. Der Herr mit dem weissen Hut ist "Euro", einer der erfolgreichen 1000er Piloten, die schon seit 10 Jahren hier zum Fliegen kommen und wie viele andere einhellig proklamierten dass sie solch eine Wetterlage noch nie erlebt haben.
An jenem Hammertag, dem 10.Juli übrigens, liess übrigens ein Kollege aus England jeden 1000 Kilometerflug zur Makulatur werden: Er flog mit seiner K-6 760 Kilometer! Bisher ist nicht bekannt, ob Herr Barron Hilton ihm höchstpersönlich die Schlüssel zu seiner Ranch überreichte...
Viele frisch abgeerntete Weizenfelder. Ein Aussenlandeparadies welches aber dieses Mal im Hinblick auf diesen Zweck keine Beachtung fand.

Starke Ablösungen schicken manch einen Sonnenschirm auf die Reise, und oft sieht man auch die allseits bekannten "Dust Devils", die Staub und Dreck mit in die Höhe reissen.
Da kann es mitunter schon passieren, dass einem in 3500 Meter Höhe Zeitungspapier entgegenkommt.