| FUENTEMILANOS 2001 |
Wolkenfetzen wischen vorbei, unter mir gleitet die
Landschaft hinweg. Nur noch ein paar Kilometer bis zum nächsten Wendepunkt. Ich jage
dicht unter der Wolkenstrasse entlang, das Höhenleitwerk des Discus pflügt saubere
Furchen in die Basis. Der Höhenmesser zeigt 4500 Meter, ich habe Mühe, die enormen
Steigwerte in Fahrt umzusetzen, die Trimmung steht bereits auf voll kopflastig, trotzdem
muss ich weiter drücken, um nicht von der Wolkenstrasse eingesaugt zu werden.
Phasziniert, fast ungläubig starre ich auf die Groundspeedanzeige des GPS: sie zeigt 180
km/h. Plötzlich fängt der Logger an hektisch zu piepsen: Der Wendepunkt ist überflogen.
Steil ziehe ich die "JB" nach links, weg von der Wolkenstrasse der Guadarrama,
nehme Kurs auf den nächsten Wendepunkt, rein ins Blaue. Ich peile die nächste
Cumuluswolke an, die da steht wie bestellt und nicht abgeholt. Noch ein bisschen warten,
da hebt es die rechte Fläche, der Ton des Vario überschlägt sich in hysterischem
Crescendo; "Freude schöner Götter funken", mehr fällt mir dazu nicht mehr
ein. Noch ein bisschen warten... hart ziehe ich nach rechts, drehe hastig den Kopf in
Richtung rechte Fläche... und schlage mit dem Kopf gegen den Bettpfosten!
Etwas benommen wache ich auf. Der Blick auf die Uhr: 4
Uhr morgens. Verdammt! Alles nur geträumt!
Leise plätschert der Regen auf's Dach des Bungalows. Es ist kalt, ich ziehe die Bettdecke
bis über beide Ohren. Neben mir brummelt Günter irgendwas im Schlaf. Na prima! Nach
monatelanger Vorbereitung und 2600 Kilometern Autofahrt jetzt das: REGEN! Irgendwie hatte
ich Spanien anders in Erinnerung.
Zu dem schlechten Wetter kamen dann noch ein paar Buchungsprobleme in pucto Bungalows, was
sich zum Glück bald in Wohlgefallen auflöste. Auch die "geplante" ASH-25M war
nicht dabei; zwei Tage vor Abreise bekam wir vom Vercharterer mitgeteilt, dass das
Flugzeug eine vorläufige Verkehrszulassung (VVZ) hat und man deshalb keinen
Versicherungsschutz im Ausland geniesst. Klasse gell? Trug zur Vorfreude auf den Urlaub
ungemein bei! Glücklicherweise hatten unsere Vereinskameraden ein Herz und wir durften
den Mistral mitnehmen, so dass wir nicht zu dritt auf einem Flieger hocken mussten.
Die Kaltfronten hatten aber ein Nachsehen und liessen uns in den ersten Wochen ein paar
brauchbare Flugtage, so dass man sich mit der Gegend erstmal fliegerisch vertraut machen
konnte. In der dritten Woche bekamen wir es dann noch mal dick ab: Des Nachts erfrischende
4°C!! Da kam richtig Freude auf! Wir beneideten Jan richtig um seine Standheizung im
VW-Bus.
Das Superhammerwetter kam dann - mit reichlich Verspätung - in der letzten Woche.
Steigwerte um die 6 Meter, Basis meist zwischen 3500 und 4000 NN. Leider war es zu 90%
Blauthermik, so dass man oft auf die vielen Geier angewiesen war, die einem zuverlässig
den Weg zur Thermik wiesen wenn man gerade kein anderes Segelflugzeug am Kurbeln sah. Wenn
dies übrigens mal der Fall war kam es mitunter oft vor dass man zu einem kurbelnden
Flugzeug hinflog, in der Hoffnung man könnte sich damit noch vor dem Absaufen retten, um
dann festzustellen dass der Typ seinen Motor draussen hat und sich gerade seine eigene
Thermik am basteln war. Dann fand man sich oft schneller zum Bier an der Bar als
geplant... Oder man macht eben eine Aussenlandung, irgendwo in der Pampa... .
Tja, eigentlich hatte ich mir als Webmaster damals vorgenommen, keine Romane zu schreiben.
Jetzt hab' ich's doch getan, aber dem müsste damit nun Genüge getan sein. Damit für
Euer Auge auch was dabei ist folgen nun einige kommentierte Fotos von einem
unvergesslichen Urlaub. Nicht nur wegen des Wetters, nein, wir durften wunderschöne
Flüge erleben, lehrreiche Erfahrungen machen und interessante und lustige Menschen
kennenlernen.
Danke an Gonzalo, Eduardo, Rolf, Antonio, Javier, Victor, David, Pedro, Paco, Patricia und
Bea für die tolle Zeit.
Auch ein großes Dankeschön vor allem an Ferdinand und Marco, und natürlich auch allen
anderen Vereinsmitgliedern, die uns mit zwei Vereinsmaschinen haben ziehen lassen und uns
damit all dies ermöglicht haben. MUCHAS GRACIAS!
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Aerodromo de Fuentemilanos, eine Fliegeroase mitten im (meist trockenen ) Herzen Spaniens. Von unten nach oben die Startrichtung 16. |
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Im Hintergrund die Guadarrama-Bergkette mit der "Mujer Muerta". |
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Das morgendliche Briefing mit
Antonio (links) und Rolf Bredtmann (rechts). "Tomorrow will start a new cycle!"
war ein oft gehörter Satz und kündigte in der ersten Zeit eine neue Front an. Nach dem Briefing gab's die Startzeitverteilung, fälschlich auch als "Lotterie" bekannt. Hier wurden in täglich abwechselnder Reihenfolge die Flugzeuge aufgerufen, und die Piloten konnten sich dann auf der Starttafel ihre Startzeit aussuchen, zu der sie dann auch fertig angeschnallt im Flieger vor dem F-Schlepp-Startpunkt zu erscheinen hatten. |
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Ab Mitte Juli wurde es richtig voll. Ca. 140 Maschinen, 60% davon Eigenstartler bevölkerten den Flugplatz Fuentemilanos. Es wird oft als "Massenbetrieb" verschrien, aber mit viel Disziplin und Teamwork konnte man einen reibungslosen Flugbetrieb organisieren. |
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Vormittags, am "Threshhold" zur 16. Wenn gute Bedingungen zu erwarten waren ging es hier manchmal zu wie auf einem Flugzeugträger. (Und hinter der Kamera standen nochmal soviele...) |
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Ja, auch Schleppmaschinen müssen sich mal anstellen. Geschleppt wurde hier mit drei Moranes und einer C-172. Die spanischen Schlepppiloten sind richtig Klasse und verstehen ihr Fach. |
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Anderer Tag, andere Startrichtung, die 34. Im Vordergrund unser Discus "JB", dahinter der Mistral. Die Startrichtung ist von demher unbeliebt, weil man zum einen "bergauf" Starten muß, zum anderen weil man die Flugzeuge vom oberen Abstellplatz die 1000m Taxiway nach unten schleppen muss. Wenn man - wie beim Mistral - keine Kupplungsvorrichtung für eine Autoschleppstange hat war das schon schweißtreibend, und das bei 40°C. Gerne kam es dann auch vor, dass wenn man - so wie hier - die Flieger schon unten stehen hat plötzlich der Wind drehte und man alles nochmal nach oben ziehen musste - auch wieder 1000 Meter weit. |
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Nach dem Ausklinken ging es dann schnell nach oben. Die Thermik war von unten raus meist schwierig zu zentrieren, sobald man aber mal eine gewisse "Arbeitshöhe" erreicht hatte ging der Rest "wie's Brezl backen". |
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Anflug auf die "Mujer Muerta". Bei Windlagen aus nördlicher Richtung konnte man gut Hangfliegen, und wenn man Glück, und vor allem Verstand hatte (jaja...) dann konnte man auch mal eine gute Welle erwischen. |
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Nach längerer Zeit des Alleine-Dahinfliegens freute man sich dann auch mal, wenn man "bekannten Gesichtern" begegnete, so wie hier Marcus im Mistral. |
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Dazwischen auch mal weniger "bekannte" Gesichter, dafür um so beeindruckender. Die Geier sind alles andere als scheu. Oft kommen sie neugierig "längsseits" und kreisen dann minutenlang mit einem im Bart, folgen einem sogar beim Vorfliegen zum nächsten Aufwind. |
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Marcus nach der Landung mit der "JB". Ui, hoffentlich hat der Logger jetzt richtig aufgezeichnet... |
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Zwischendurch gab's auch mal ein Gewitter, zum Glück nach Sonnenuntergang, wenn alle Flieger unten waren. Aber, frei nach dem Sprichwort "Every cloud has a silver lining", konnte man am nächsten Tag auf wieder gutes Wetter hoffen. |
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Entweder nach dem Absaufen oder - wie hier - nach einem schönen, langen Flug bis kurz vor Sunset. Das spanische Bier trinkt sich hervorragend, vor allem wenn es von Paco serviert wird... |
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... oder man saß gemütlich draußen am Vorfeld vor der Bar - wie hier Andi, Tom und Conny - und beurteilte fachkundig die Landungen der späten Heimkehrer. Fast wie bei uns zuhause... |
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Tja, und da war dann noch Christian's Aussenlandung. Irgendwie war da keine Thermik mehr... oder der Pilot zu blöd. Aber "JB" setzte sich brav auf ein gemähtes Weizenfeld, bei "Mata de Quintanar", ca. 30 km nordöstlich von Segovia. |
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Ein Luftbild vom Campingplatz am
Flugplatz. Suchbild: Wo ist Jan's Bus?? Im Swimmingpool konnte man sich hervorragend abfrischen. |
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Proost. Der vielen "Essengeherei" manchmal überdrüssig wurde flugs ein Grill gekauft und Jan bewies uns mal wieder, was er kulinarisch so alles drauf hat. |
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Ein weiterer Grilltag. Der Stimmung nach muss es ein guter Flugtag gewesen sein. |
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Dann kam die Heimfahrt: Ein letzer Blick auf den Tower... |
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... ein letzter Gruß von den "Toros".. |
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... und auch die Sonne sagte unterwegs irgendwann "Hasta la proxima vez", um uns am nächsten Morgen den Weg nach Hause zu zeigen. |